Wer bist du eigentlich?

6 09 2009

Fragen Sie sich nicht auch, ab und zu:” Wer bist du eigentlich?” ?

Es wundert mich immer wieder, wenn man sich in fremde Gesellschaft begiebt, neue Menschen kennen lernt, wie scheinbar desinteressiert die anderen auf mich wirken. Zumindest fasse ich das Verhalten so auf. Da stellt sich mir oft die Frage, ob ich eine der wenigen, neugierigen Menschen auf dieser Welt bin.

Ich kann mich noch gut an eine Situation erinnern, in der ich quasi ein Gesprächsexperiment versuchte: es war damals eine Weihnachtsfeier der Musikschulklasse und ich kannte persönlich nur die Lehrerin. Sie wurde natürlich von allen Seiten her belagert und hatte keine Zeit, um sich mit mir zu unterhalten. Da saß ich nun: kannte keine Menschenseele, alle unterhielten sich angeregt, da sie sich scheinbar durch einen Chor her kannten und niemand fragte mich auch nur “Wie heißt du eigentlich?”. Nach einer halben Stunde nervte mich das bereits dermaßen, da ich bei der eingeschworenen Partie auch keinen Anschluss fand, dass ich gehen wollte. Nachdem das aber auch meinerseits unpassend gewesen wäre, blieb ich und beschloss den Nächsten, der durch die Tür kommen würde, zu belagern. Es dauerte nicht lange, da schneite ein Mädchen, etwas älter als ich, herein und ich begann sie auszufragen. Es wurde eine sehr nette Unterhaltung, wir erfuhren beispielsweise, dass wir dieselbe Schule besucht hatten und redeten über unsere Lehrer. Ich hatte damals das Gefühl, dass sich die anderen nicht weniger wunderten, weil ich zuvor nur gelangweilt in einer Ecke saß. Wie viel man doch nur mit wenigen Fragen und einem Lächeln bewirken kann…

Bei einer anderen Partie warf ich jedoch irgendwann das Handtuch: es lag auf der Hand, dass sie absolut schüchtern waren und nicht aus sich herraus gehen konnten. Es war damals eine Gruppe junger Männer, die in Gegenwart einer Frau, nicht sie selbst sein konnten. Das ging sogar soweit, dass manche nicht einmal grüßen konnten, wenn ich zur Tür herein kam. Sie blickten verstohlen zu Boden, so als hätte ich sie in einer peinlichen Situation überrascht. Unter Alkoholeinfluss, erkannte man sie nicht wieder. Alle Barrieren wurden gebrochen. Traurig irgendwie… Nach ein paar Monaten hatte ich es satt dieses Verhalten immer nur auf deren Schüchternheit abzutun und beschloss es als bloßes Desinteresse zu betrachten und entfernte mich von ihnen. Warum? Ich hatte sie ja bereits lieb gewonnen, “Aber”, dachte ich,”wie viele Chancen geben mir eigentlich andere Menschen?” und ich hatte ihnen mehr als genug gegeben. “Ich bin doch auch nur ein Mensch, der es einfach nicht leiden kann, ignoriert zu werden.”

“Es gibt nichts Unangenehmeres als sich vor anderen zu blamieren.”

“Nein, es gibt nichts Besseres als es zu versuchen!”

Eine Standartfrage von mir, wenn ich jemanden treffe ist: “Und was treibst du so? Was gibt es Neues?”. Nicht, aus Gewohnheit, Höflichkeit oder weil es mich eigentlich gar nicht interessiert, sondern um ein Gespräch zustande zu bringen. Was mir in diesen Momenten eigentlich oft beim Gegenüber abgeht.

Warum stellen mir andere keine Fragen?

Wenn Sie die Antwort wissen, bitte schreiben Sie mir einen Kommentar, denn es interessiert mich wirklich brennend! Eine bekannte Situation: das erste Treffen mit den Eltern des neuen Freundes. Wäre ich Mutter, hätte ich wohl tausend Fragen: Wie heißt du?, Was machst du beruflich? Welche Ausbildung hast du gemacht? Was sind deine Hobbies? Was arbeiten deine Eltern?

Kurz:

-Wer bist du eigentlich?-

Aber genau DAS, das Interesse an der eigenen Person, hat mir in solchen Situationen bei den anderen oft gefehlt. Ich kam dahinter, dass Eltern wohl dazu neigen diese Fragen vorab dem Kinde zu stellen. Dass sie dem/r Unbekannten sozusagen schon etwas vorraus haben.

Aber woran liegt es, wenn andere einem keine Fragen stellen? Desinteresse? Schüchternheit? Soziale Ängste? Einfallslosigkeit? Irgendeine Idee?





Tun Sie sich einen Gefallen!

20 08 2009

Ich frage mich oft, was es ist, was uns an anderen fasziniert. Man trifft jemanden, versteht sich, wächst vielleicht sogar zusammen. Denn irgendwie ist man gleich. Irgendwie erkennt man sich selbst wieder. Aber irgendwann kommt dieser Punkt, an dem man feststellt, dass nicht jeder wie man selbst empfindet, fühlt oder gar die Welt wahr nimmt. Und seie es drum – man kann nicht alles miteinander teilen, nicht jede Stimmung oder jedes Hobby. Denn jeder ist einfach unterschiedlich, auch, wenn man glaubt, jemanden gefunden zu haben, der so ist wie man selbst.

Da gab es oft Menschen, die ich selbst als bald ins Herz geschlossen habe und nach und nach fiel mir auf…

Zwang. Drängen. Pflicht.

Das schleichende Kleben

In Gesprächen erkannte ich, dass gerade Menschen, denen ich später den Laufpass aus menschlichen Gründen gegeben hatte, das ein oder andere gemeinsam hatten: wir waren sehr oft beisammen und jeder hatte seine Art von Tallent mich auszunützen. Die eine schnorrte Zigarette um Zigarette, bis es selbstverständlich war, dass ich ihr immer welche geben sollte und reagierte mehr als feindzählig, wenn ich einmal “Nein!” sagte. Bei einer anderen verließ ich einmal ihre Wohnung mit drei alten abgelegten Büchern, die mich gar nicht interessierten und die ich nie wollte, mit der Gegenbitte um einen teuren Wein. Der Ein oder Andere wird sich vielleicht denken, dass ich doch den Mund aufmachen könnte. Aber lassen Sie mich festhalten:

- Es ist ein Tallent bewusst “Nein!” zu sagen. -

Als ich heute beim Bankomaten Geld behob, kamen mir zwei junge Frauen entgegen mit der Bitte um meine Bankomatkarte. Ja, kein Scherz! Sie meinten sie wollen ins Voyer der geschlossenen Bank. Nachdem diese Bitte mir mehr als fragwürdig vorkam und zwei Freunde auf mich warteten, sagte ich zu ihnen freundlich:” Wenn Sie nicht bei der Bank sind, dann kommen Sie auch nicht hinein!”. Denn es mache ja eigentlich keinen Sinn in eine Bank zu gehen, in der man eigentlich nicht beheben kann – und – seien wir mal ehrlich, ich lasse mich nicht gerne bestehlen! Jedenfalls haben die beiden Frauen anschließend meinen Wortschatz um einige Schimpfwörter erweitert…

Zurück zum eigentlichen Thema.

Mir wurde klar, dass Menschen denen ich gut und gerne aushalf und die nutzten, was mir nicht bewusst war, hatten den Hang dazu, zu viel zu nehmen. Sie fingen an, an mir zu kleben, weil ich nicht “nein” sagen konnte. Und was gegen Ende am anstrengendsten war, war das Muss, das Drängen zum Beisammensein. Ich hatte das Gefühl keine Wahl zu haben und sollte ich eines von den fünf Malen, die wir uns jede Woche getroffen hatten, ausfallen lassen, so würde ich eine schlimme Sünde begehen. Ich musste mich tausende Male entschuldigen und das irgendwie wieder gut machen. Mit der Zeit erhielten diese Freundschaften eine Verbissenheit. Ich erkannte die Probleme, konnte sie nicht ändern und wollte aber auch keine Freundschaft aufgeben. Meistens fielen mir erst die Schuppen von den Augen bei Grundsatzdiskussinen wie z.B. dass ich nicht geschlagen werden möchte und ich auf Null Tolleranz stieß. Aber auch wenn man jemanden gerne hat, darf man sich nicht alles gefallen lassen, aus Angst an eine Wand zu laufen. Man muss von Anfang an klar stellen, wo Grenzen liegen. Damit tut man sich selbst den größten Gefallen!








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