Und als Letztes sprach er: ” Mir geht es gut. Meine Frau ist gerade gestorben.” Ich setzte mich wieder an meinen Arbeitsplatz und versuchte meine Gedanken zu ordnen.
Und so dürfen Sie sich die letzten Wochen vorstellen, an jedem Tag eine solch schockierende oder fesselnde Wahrheit, eröffnet zu bekommen, die mit Bedacht behandelt werden muss und im Falle nicht weiter geben werden darf. Vielleicht mögen dem ein oder anderen die Probleme anderer nicht nahe gehen, jedoch mich schockierten sie, eine nach der anderen und ich tat mir schwer immer wieder meine Gedanken neu zu ordnen. Weiter zu machen. Neben Arbeit, Ausbildung und den Problemen der mir wichtigen und auch nahe stehenden Personen mich selbst nicht zu verlieren. Sie nicht zu verlieren.
Ich frage mich: “Wo stehe ich wenn die Probleme anderer überhand nehmen?”
Ich höre ihnen gerne zu, weiß auch, ich bin eine gute Zuhörerin. Ich erinnere mich an einen Bekannten, der sich bei mir beschwerte, dass er immer nur der “Kummerkasten” sei. Dass ihm jedoch die Menschen nie zuhören, wenn er jemanden bräuchte, wenn er seine Probleme los werden wolle. Damals dachte ich mir, dass es vielleicht ein Geschlechter spezifisches Problem sei. Dass er als Mann kein offenes Ohr für seine alltäglichen Problemen fände. Dass er keine “Busenfreundin” besäße, der er selbst seine kleinsten Probleme anvertrauen könnte. Es mag vielleicht darin auch ein Fünkchen Wahrheit stecken. Aber:
Wenn ein Kummerkasten Briefe verschickt, bleibt dieser oft unbeantwortet.
“Du, Herr XY’s Frau ist verstorben!”
“Ja und? Der kann sich eh eine neue suchen??”
Ich bin oft mit den Belangen anderer, die mich so gewurmt haben auf Desinteresse gestoßen. Meine Gedanken und mein Mitleid wurden regelrecht abgewürgt und ich fragte mich: “Haben viele denn kein Mitgefühl für die Sorgen anderer?” Kann man das als überhaupt als Desinteresse bezeichnen? Oder steckt eher eine Art Abgrenzung der Probleme dahinter? Im Sinne von: die Belastung anderer wird zur eigenen Belastung, daher lasse man es nicht an sich heran. Und haben diese Menschen dem zufolge auch eine heilere Gefühlswelt?
Mich würde ja interssieren wie das eigentlich Psychiater machen. Man hört ja immer wieder, dass diese selbst auch zur Gesprächstherapie gehen, um mit den Problemen anderer fertig zu werden.
Vielleicht ist eine gute Kombination von Achtung und Missachtung, der mentalen Belastungen der anderen, eine gesündere Variante.
Sich selbst von den Problemen anderer abgrenzen, aber nicht ausgrenzen.
Die Probleme anderer nicht zu nahe heran zu lassen heißt nicht, sie nicht zu beachten. Ganz schön kompliziert, nicht wahr?